April 2016: gelten und gehören

April 2016: gelten und gehören

»Verschwiegene Worte gelten mehr als ausgesprochene.«

Murasaki Shikibu (um 973 bis um 1023), japanische Dichterin

Manche Konstruktionen schreiben sich leicht dahin und lesen sich ganz unkompliziert, bis die Lektorin kommt und unbequeme Fragen stellt. Besonders verdächtig sind Sätze mit »gilt als …« oder »gehört/zählt zu …«.

Beispiel? Beispiel:

Die Firma ABC gilt als umsatzstärkster Hersteller von XY.

Wie jetzt? Ist das Unternehmen der umsatzstärkste Hersteller oder nicht? Umsatz lässt sich messen, also gibt es auch Ergebnisse, die man in eine Reihenfolge bringen kann. Wenn aber die Firma nur als besonders umsatzstark gilt, ist die implizite (und in der Regel nicht beabsichtigte) Aussage, dass sie es tatsächlich eben gerade nicht ist.

In einem TV-Bericht hörte ich neulich folgenden Satz:

Iris Berben gehört zu einer der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen.

Hier ist der Fehler etwas anders gelagert, denn es werden zwei Dinge vermischt. Iris Berben gehört zu den erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen, anders gesagt: Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen. Die Kombination »Sie gehört zu einer der …« ergibt inhaltlich überhaupt keinen Sinn.

Alles logisch, oder? Trotzdem kommen solche Fehler und Ungenauigkeiten mittlerweile so oft vor, dass man sie kaum mehr als solche wahrnimmt, weder beim Schreiben noch beim Lesen.

© Juliane Topka 2016

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