August 2015: Verschiedenes

»Es ist normal, verschieden zu sein.«

Urheber unbekannt

 

Ich bin ja immer dafür, Texte kurz zu halten. Wenn man Überflüssiges weglässt, entsteht eine klarere Aussage. Aber was ist überflüssig? Die Leitfrage lautet: Verändert sich der Sinn, wenn man auf den fraglichen Teil verzichtet? Klassische Beispiele, in denen die Antwort Nein ist, sind »wie zum Beispiel« (denn »wie« und »zum Beispiel« sagen jeweils allein genau dasselbe aus) oder »eine Win-win-Situation für alle Beteiligten« (weg mit »für alle Beteiligten«!).

Heute habe ich einen Begriff herausgepickt, der oft, aber eben nicht immer überflüssig ist: Es geht um »verschiedene«. Mich juckt es immer in den Fingern, wenn ich so etwas lese wie »80 verschiedene Sorten« oder »15 verschiedene Tierarten«. Lassen Sie mal in beiden Beispielen das Wort »verschiedene« weg. Verändert sich der Sinn? Nein. Also raus damit!

In diesen Fällen steht »verschieden« bei Begriffen, die schon eine Unterscheidung innerhalb einer größeren Menge von Dingen vornehmen. Anders gesagt: »Sorten«, »Arten« und ähnliche Begriffe sind bereits Gruppierungen. Alles, was in eine solche Gruppierung hineingehört, ist gegenüber allem anderen verschieden, sodass es eine Dopplung ist, das noch zusätzlich zu erwähnen.

In anderen Fällen aber verändert »verschiedene« durchaus den Sinn. Wenn zum Beispiel ein Baumarkt schreibt, er habe 30 Schrauben am Lager, könnte man vermuten, dass im Einkauf jemand geschlafen hat. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Baumarkt 30 verschiedene Schrauben am Lager hat, und von diesen 30 Sorten dann jeweils Tausende.

© Juliane Topka 2015

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