Juni 2015: Darstellende Kunst

»Das einzige Kunstwerk, das manche Menschen darstellen, ist, dass sie an ihrer Unklugheit flicken.«

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768 bis 1834), deutscher evangelischer Theologe, Philosoph und Pädagoge

In manchen Informationstexten kommt das Verb »darstellen« in seiner ganzen Sperrigkeit mindestens in jedem zweiten Absatz vor. Dabei ist es in den meisten Fällen, in denen es gebraucht wird, nicht nur unnötig kompliziert. Es geht auch am Kern der Sache vorbei. Zwei Beispiele:

Dossiers stellen eine Wissenssammlung zu einem Thema dar.
Der demografische Wandel stellt eine besondere Herausforderung dar.

Was genau bedeutet »darstellen«? Das Duden-Universalwörterbuch* liefert eine Fülle von Bedeutungen, darunter »in einem Bild (…) wiedergeben«, »in einer Bühnenrolle verkörpern«, »in Worten deutlich machen, ein Bild von etw. entwerfen« oder »die Bedeutung, den Wert (…) einer Sache haben«. All diese Bedeutungen sind weitaus umfassender als das, was in den beiden Beispielen und unzähligen anderen Fällen gemeint ist.

Sehr oft fungiert »darstellen« nämlich nur als aufgeblähte, behördische Form von »sein«. Vielleicht soll es die Aussage wichtiger klingen lassen, der Effekt ist aber das Gegenteil. Gerade in Texten der Unternehmenskommunikation gilt: Je einfacher Sie schreiben, desto klarer ist die Aussage und desto direkter der Weg zum Leser/Kunden. Schreiben Sie also:

Dossiers sind Wissenssammlungen zu einem Thema.
Der demografische Wandel ist eine besondere Herausforderung.


* Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 7. Aufl. Mannheim 2011 [CD-ROM].

 

© Juliane Topka 2015

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