November 2020: jemand anders

November 2020: jemand anders

»Es ist sehr kurios, wie verschieden man eine Sache ansehen kann, je nachdem, ob sie uns oder jemand anders angeht.«

Jeremias Gotthelf (1797 bis 1854), eig. Albert Bitzius, Schweizer Pfarrer und Erzähler

Gibt es eine Regel dafür, wie man im Satzzusammenhang mit »jemand anders« umgeht? Beugt man »jemand« oder »anders«, beide Wörter oder keines? Dieser Frage einer Blogleserin widme ich mich heute.

Zuerst die einfachste Antwort: Wer »jemand anders« in Stein meißelt und völlig ungeachtet der umgebenden Grammatik unverändert lässt, hat den Segen des Duden. Die folgenden Beispielsätze sind alle korrekt:

Er sieht aus wie jemand anders.
Das Buch habe ich von jemand anders bekommen.
Schickst du das bitte an jemand anders?

Wenn Sie also zu denen gehören, die beim Schreiben möglichst wenig grübeln möchten, wählen Sie einfach immer »jemand anders«, und Sie machen nichts verkehrt.

Nun ist die einfachste Antwort aber nicht immer die schönste. Und dass etwas sprachlich korrekt ist, heißt noch nicht, dass es auch gut klingt. Für mich jedenfalls hören sich das zweite und das dritte Beispiel oben nicht rund an. Im Nominativ (Beispielsatz 1) finde ich »anders« noch in Ordnung. Im Dativ (2) und Akkusativ (3) klingt es für mich in gebeugter Form harmonischer:

Das Buch habe ich von jemand anderem bekommen.
Schickst du das bitte an jemand anderen?

Diese Varianten gehen auf die maskuline Grundform »jemand anderer« zurück. Ob Sie lieber die männliche Form beugen oder »jemand anders« unangetastet lassen, steht Ihnen frei; der Duden vermeldet nur, dass »jemand anders« heute gebräuchlicher ist, und ordnet die männliche Form mit Beugung dem süddeutschen Sprachraum zu. Vor allem Letzteres erstaunt mich als waschechte Hamburgerin dann doch.

Einen Fehler machen Sie nur, wenn Sie in dieser Kombination »jemand« beugen (also »jemandem/jemanden anders« schreiben).

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Übrigens: Mit der Beugung von »jemand« und »niemand« (ohne »anders«) habe ich mich in diesem älteren Newsletter schon einmal beschäftigt.

© Juliane Topka 2020

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