Januar 2018: eher so mittel

»Der mittlere Weg ist der beste.«

Theognis von Megara (um 540 bis 500 v. Chr.), altgriechischer Dichter

Die Abkürzung KMU ist in der Unternehmenskommunikation so verbreitet, dass man sie in einem Text eigentlich gar nicht mehr als solche einführen müsste. Den journalistischen Prinzipien folgend, tut man dies in der Regel trotzdem. Und dabei schüttle ich fast jedes Mal den Kopf.

In den allermeisten Fällen lese ich nämlich die Langfassung »kleine und mittlere Unternehmen«. Sogar im Duden ist das Kürzel so erläutert. Aber was sollen denn bitte mittlere Unternehmen sein? Es gibt kleine und große Unternehmen. Was sich weder der einen noch der anderen Kategorie zuordnen lässt, ist mittelgroß, aber nicht einfach nur mittel. Dieser Begriff allein bezieht sich nicht auf Größe, sondern bezeichnet lediglich die Abstufung einer separat zu nennenden Eigenschaft.

Duden hin oder her: Im Lektorat lasse ich »kleine und mittlere Unternehmen« nicht stehen, sondern ändere in »kleine und mittelgroße Unternehmen«.

Da ich gerade dabei bin: Auch die Platzierung des Wörtchens »mittel« hat durchaus ihre Tücken. Kürzlich las ich in einem Text von »mittleren Managern«. Damit kann auf der rein sprachlichen Ebene gemeint sein, dass die Führungskraft zwischen zwei Positionen oder Personen steht. Etwas hinterlistig gedacht, lässt es sich auch so deuten, dass sie mittelmäßig ist. Zwar erschloss sich aus dem Zusammenhang, was tatsächlich ausgedrückt werden sollte, aber »man versteht ja, was gemeint ist« reicht in der Unternehmenskommunikation nicht als Kriterium. In diesem Fall habe ich in «Führungskräfte auf der mittleren Managementebene« geändert.

© Juliane Topka 2018

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