März 2018: meinen, erachten, wissen

»Viel Meinung bricht Einung.«

Deutsches Sprichwort

Die eigene Meinung kundzutun, ist manchmal gar nicht so einfach. Von inhaltlichen Aspekten mal ganz abgesehen, haben die entsprechenden Wendungen auch sprachlich einige Tücken.

»Meiner Meinung nach« ist weit verbreitet und auch korrekt, ebenso »meiner Ansicht nach«. Das kann man variieren, zum Beispiel mit »Erachten« oder »Wissen«. Und da geht es schon los: Diese beiden Begriffe haben nämlich in der vergleichbaren Konstruktion kein »nach« im Gepäck. Das wissen viele nicht. Nach dem Muster, das »meiner Meinung nach« vorgibt, schreiben oder sagen sie dann »meines Erachtens nach« oder »meines Wissens nach«. Das aber ist falsch.

Korrekt heißt es im konkreten Beispiel:

Meines Erachtens ist das richtig.
Meines Wissens gibt es in diesem Geschäft keine Gutscheine.

Und es wird noch etwas komplizierter. Wenn man nämlich bei »Erachten« mit dem Dativ arbeitet, statt den Genitiv zu wählen, ist das Wörtchen »nach« auf einmal wieder im Spiel. Dann kann es entweder voran- oder nachgestellt sein.

Nach meinem Erachten ist diese Aussage korrekt.
Meinem Erachten nach ist diese Aussage korrekt.

Eine Merkhilfe kann ich Ihnen dazu leider nicht an die Hand geben. Manches ist einfach, wie es ist. Einfach ist die deutsche Sprache ganz sicher nicht, und ich ziehe meinen Hut vor allen, die sie als Fremdsprache erlernen.

© Juliane Topka 2018

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